So verdienst du Geld mit deinem Community-Medium

Community-zentrierter Journalismus bedeutet nicht, dass Geld keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Gerade weil Community-Journalismus auf Beziehungen, Vertrauen und langfristige Wirkung setzt, muss auch die Finanzierung tragfähig, transparent und fair gestaltet sein.

In diesem Artikel erfährst du, welche Erlösmodelle für Community-Medien in Frage kommen und wie du Geld verdienen kannst.


Zwei Wege, ein Projekt zu starten

Am Anfang jedes Medienprojekts steht die Frage, wie die erste Phase finanziert werden soll. Dabei geht es nicht um nachhaltige Erlösmodelle, sondern zunächst um die Startfinanzierung. Hier gibt es grundsätzlich zwei Wege:

1. Bootstrapping: Start mit eigenen Mitteln

Beim sogenannten Bootstrapping greifst du auf Erspartes zurück oder sammelst Geld in deinem Umfeld – etwa bei Freund*innen oder Familie. Dieser Weg ist oft niedrigschwellig und schnell umsetzbar. Er eignet sich vor allem, um erste Ideen zu testen, einen Prototypen zu bauen oder Reichweite aufzubauen. Bootstrapping funktioniert allerdings meist nur für eine begrenzte Zeit. Irgendwann sind die Mittel aufgebraucht – spätestens dann brauchst du ein nachhaltiges Erlösmodell.

2. Finanzierung über Fundraising

Der zweite Weg ist etwas strukturierter: Du entwickelst ein klares Konzept, erstellst einen Businessplan, schätzt euren Finanzbedarf und gehst damit aktiv auf Geldgeber zu – etwa Stiftungen, Förderprogramme oder andere Unterstützer*innen. Wenn du eine Übersicht an Möglichkeiten zur Förderungen benötigst, ist hierarrow-up-right der passende Wiki-Artikel dazu. In diesem Fall geht es meistens darum, 6 bis 12 Monate operatives Geschäft abzusichern. Wichtig: Auch hier gilt, dass ein niedriges Anfangsgehalt normal ist – aber dein Modell sollte nicht dauerhaft auf Selbstausbeutung beruhen.

Egal welchen Weg du zu Beginn wählst: spätestens mittelfristig solltest du dich mit der Frage beschäftigen, wie eine nachhaltige Finanzierung aussehen kann und welches Erlösmodell zu dir und deiner Community passt.


Abo oder Mitgliedschaft? Ein grundlegender Unterschied

Viele Medien finanzieren sich über klassische Abonnements. Dabei handelt es sich um eine Transaktionsbeziehung: Geld gegen Zugang zu Inhalten. Typische Abo-Modelle sind:

  • Komplett freien Inhalten im Netz wie zum Beispiel bei taz.de

  • Dem sogenannten „Metered Model“, also eine bestimmte Anzahl an Artikeln ist frei wie zum Beispiel 10 im Monat bei sueddeutsche.de

  • Und der harten Bezahlschranke, die sofort erscheint, wenn man auf einen bestimmten Onlineartikel klickt wie bei republik.charrow-up-right

Für community-zentrierten Journalismus ist jedoch häufig ein anderes Modell passender: die Mitgliedschaft. Die meisten nationalen oder internationalen Medien-Startups der Welt finanzieren sich über Stiftungen und/oder Mitglieder.


Mitgliedschaft ist mehr als ein Abo

Eine Mitgliedschaft zielt nicht darauf ab, ein Produkt zu verkaufen, sondern eine Beziehung aufzubauen. Mitglieder zahlen nicht primär für Inhalte, sondern um einen Zweck zu unterstützen, an den sie glauben. Erfolgreiche Mitgliedermodelle vermitteln der Community das Gefühl, dass sie Teil von etwas Größeren als sie selbst sind

Das „Membership Puzzle Project“ hat 200 Organisationen weltweit gefragt, was sich ihre Mitglieder von ihnen wünschen. Dabei zeigt sich, dass Mitglieder vor allem Folgendes erwarten:

  • Arbeit im öffentlichen Interesse

  • Beteiligung an Themen und Recherche

  • Transparenz des Teams über redaktionelle Entscheidungen und Ausgaben

  • Fehlerkultur und Lernbereitschaft

  • einmaliger, außergewöhnlicher Content

Mitgliedschaften basieren also auf Vertrauen und Austausch. Erfolgreiche Mitgliedermodelle vermitteln Zugehörigkeit, Teilhabe und Sinnhaftigkeit. Mitglieder unterstützen ein Medium nicht nur finanziell, sondern identifizieren sich mit seinem Zweck und seinen Werten. Diese emotionale und ideelle Bindung ist einer der zentralen Unterschiede zum klassischen Abo-Modell.


Merkmale der Mitgliederfinanzierung

Mitgliederfinazierung hat sich in den vergangenen Jahren als Königsweg im Community-Journalismus etabliert. Sie basiert auf fünf zentralen Merkmalen:

  1. Es gibt frei verfügbare Inhalte und demzufolge keine Bezahlschranke oder Bezahlabos.

Gerade in journalistisch unterversorgten Städten, Landkreisen oder Regionen ist es wichtig für die Demokratie vor Ort, dass es journalistische Inhalte gibt, die frei zugänglich für alle sind. Wichtige Informationen zu bekommen, die zur Meinungs- und Willensbildung beitragen, sollte nicht vom Geldbeutel abhängen.

  1. Menschen zahlen einen regelmäßigen Beitrag aus Überzeugung.

Die Community-Mitglieder gehen mit der Redaktion einen „sozialen Vertrag“ ein: Sie bezahlen aus der Überzeugung heraus, etwas Sinnvolles zu tun. Für ihr Geld kaufen sie sich keine Inhalte, sondern werden Teil von etwas Größerem als sie selbst.

  1. Zeit und Wissen der Menschen werden Ressourcen der Redaktion.

Die Mitglieder geben nicht nur Geld, sie teilen auch ihr Wissen mit der Community und schenken einen Teil ihrer Zeit. Gerade für kleinere Teams sind das wertvolle Ressourcen. Konkret trägt die Community mit ihrem Wissen dazu bei, die journalistische Berichterstattung zu verbessern. Mit ihrer Zeit können Community-Mitglieder Aufgaben übernehmen, die eine kleine Redaktion nicht alleine stemmen kann.

  1. Mitgliederbeiträge bilden eine stabile Grundlage, um idealerweise noch weitere Erlösmodelle zu finden.

Mitgliederfinanzierung ist gerade für Lokalredaktionen mit einer kleinen Community häufig nicht ausreichend, um alle Kosten zu decken. Aber: Sie ist ein stabiles Fundament – eine Art Grundsicherung – auf dem weitere Ertragsmodelle aufgebaut werden können. Gibt es schon zahlende Mitglieder und eine aktive Community, ist das häufig ein gutes Argument, um zum Beispiel Sponsoren, Stiftungen oder Investor*innen zu gewinnen.


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Hier findest du passende Plattformen, über die du dein Mitgliedermodell aufbauen und verwalten kannst.


Zusätzlicher Mehrwert für deine Mitglieder

Obwohl es sich bei einem Mitgliedermodell nicht um eine klassische Transaktionsbeziehung handelt und Inhalte grundsätzlich öffentlich zugänglich sind, kannst du deinen Mitgliedern exklusive, zusätzliche Leistungen anbieten. Wichtig ist dabei, dass diese Angebote einen echten Mehrwert haben und nicht nur symbolisch fungieren.

Mögliche Elemente sind:

  • Austausch und Interaktion mit der Redaktion

  • Einfluss auf Themen oder Schwerpunkte

  • exklusive oder frühere Inhalte

  • Zugang zu Veranstaltungen

  • Austausch mit Gleichgesinnten

  • Merchandise

  • werbefreie Nutzung

Nicht alles davon brauchst du. Entscheidend ist, was du leisten kannst und was zu deiner Community passt.


Diversifizierung: Mehr als nur Mitglieder

Auch wenn sich die Mitgliederfinanzierung als erfolgreiches Modell bewährt hat, ist es wichtig, mehrere Standbeine zu haben – falls eine Säule wegbricht. Daher lautet das Stichwort: Diversifizierung.

Weitere mögliche Erlösquellen sind:

  • Werbung (klar gekennzeichnet und zurückhaltend)

  • Sponsoring einzelner Formate oder Veranstaltungen

  • Partnerschaften mit Organisationen oder Unternehmen

  • Veranstaltungen und Events

  • Dienstleistungen oder Infrastruktur (z.B. Räume, Workshops)

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Ein gutes Beispiel für ein stark diversifiziertes Modell ist das Bürgerportal Bergisch Gladbach, das Mitgliedschaften, Werbung, Partnerprogramme, Veranstaltungen und Infrastruktur miteinander kombiniert. Hierarrow-up-right kannst du genau nachvollziehen, wie das Bürgerportal sein Modell aufgestellt hat.


Die 3 x 5-Regel

Für die Etablierung eines Mitgliedermodells solltest du dir vor allem Gedanken über den Mehrwert machen, den du deiner Community bieten kannst. Wofür sind deine Mitglieder bereit, Geld auszugeben? Diese Frage ist essentiell, denn längst nicht alle deine Leserinnen und Leser können als Mitglieder gewonnen werden.

Bei „Steady“ spricht man gerne von der 3 x 5-Regel. Diese besagt: Du musst potenzielle Mitglieder fünf Mal ansprechen bis sie eine Mitgliedschaft abschließen, sie sind durchschnittlich bereit, fünf Euro im Monat auszugeben und nur fünf Prozent deiner gesamten Leser*innenschaft ist bereit, dir monetär unter die Arme zu greifen. 95 Prozent sind es demnach nicht.

Anhand dieser Regel kannst du den potenziellen Umsatz durch deine Mitgliederfinanzierung grob planen – wobei sie natürlich nicht auf jedes Medium zutreffen muss. Aber: Vergiss bei deiner Rechnung nicht, dass jeder Anbieter eine Provision von bis zu 10 Prozent verlangt und weitere Gebühren wie für die Kreditkartenabwicklung hinzu kommen.


Fazit

Community-Journalismus setzt im Kern auf Finanzierung durch Mitglieder. Für die meisten Lokalredaktionen reicht das allein nicht aus – aber es ist ein stabiles Fundament, auf dem weitere Erlösmodelle aufbauen können.

Um ein Mitgliedermodell zu etablieren, solltest du dir jedoch im Klaren sein, was deine Community braucht und wofür sie bereit ist, Geld zu zahlen. Du solltest bereit sein, echte Partizipation der Mitglieder zuzulassen und deine Entscheidungen transparent zu machen sowie über die nötige technische Ausstattung verfügen.

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