Förderanträge mit KI schreiben

Förderanträge sind kompliziert und nehmen viel Zeit in Anspruch – vor allem, wenn du alleine gründest und/oder noch wenig Erfahrung im Schreiben von Anträgen hast. Künstliche Intelligenz kann dich dabei unterstützen und eine große Zeitersparnis sein. Aber natürlich kann sie dir die Arbeit nicht vollständig abnehmen! Fallstricke wie generische Texte, Falschinformationen oder datenschutzrechtliche Probleme können dir bei der Nutzung von KI zum Verhängnis werden.

Deshalb zeigen wir dir in diesem Artikel, wie du KI in jedem Schritt bis zur Antragsstellung sinnvoll einsetzen kannst – und worauf du dabei unbedingt achten solltest. Auch wenn du KI gegenüber skeptisch bist, kann dir dieser Artikel helfen, den Prozess von der Förderprogrammsuche bis zur Antragsstellung besser zu verstehen und zu strukturieren.

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Der Großteil der Informationen in diesem Artikel stammt aus dem Webinar „Förderanträge schreiben mit KI" von Skala-Campusarrow-up-right mit der Referentin Christine Gedigaarrow-up-right. Skala-Campus bietet verschiedene Veranstaltungen, Weiterbildungen und Online-Kurse für den sozialen Sektor an – die meisten davon kostenlos. Auch zum Thema KI gibt es dort weitere Webinare. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich!


Grundsätzliche Hinweise zum Arbeiten mit KI

  1. KI kann dir die Arbeit erleichtern und Zeit sparen – sie entbindet dich jedoch nicht von deiner Prüfungspflicht! Alle Angaben, die dir eine KI ausgibt, solltest du sorgfältig prüfen und gegenlesen.

  2. Übernimm Texte niemals 1:1 in deinen Förderantrag. Bei Förderanträgen geht es darum, Geschichten zu erzählen, die berühren. Ein generischer „KI-Sprech“ kann dazu führen, dass die Wirkung deines Projekts verwässert wird, statt klar herausgearbeitet zu sein. Passe deine Texte daher immer individuell an und/oder nutze ergänzende Tools, die auf Texte spezialisiert sind, wie zum Beispiel die Wolf-Schneider-KIarrow-up-right, um deine Formulierungen präzise und auf den Punkt zu bringen.

  3. Unterschiedliche KI-Systeme haben unterschiedliche Stärken. Es kann daher sinnvoll sein, mehrere KIs von verschiedenen Anbietern zu nutzen und die Ergebnisse zu vergleichen – beispielsweise eine KI aus dem Google-Universum (z. B. Gemini oder NotebookLM), eine von OpenAI (z. B. ChatGPT), eine von Microsoft (z. B. Copilot) oder andere KIs wie Claude oder Mistral.

  4. Sei dir außerdem immer bewusst, dass KI deine eingegebenen Daten verarbeitet. Lade daher auf keinen Fall personenbezogene oder andere sensible Daten hoch. Wenn personenbezogene Informationen für den Kontext notwendig sind, anonymisiere sie vor der Eingabe in die KI.


Schritt für Schritt zum Förderantrag

1. Wirkungsziel(e) und Zielgruppe(n) kennen

Bevor du dich in die Suche nach passenden Förderangeboten stürzt, solltest du dein Projekt zunächst gut durchdringen und die zentralen Punkte – wie Wirkungsziel(e) und Zielgruppe(n) – klar vor Augen haben. Diese grundlegenden Informationen sind essenziell, um beurteilen zu können, ob ein Förderprogramm wirklich zu deinem Vorhaben passt.

Bereits in diesem Schritt kann dich KI unterstützen. Lade zum Beispiel eine Projektskizze oder eine Projektpräsentation in ein KI-Tool hoch und arbeite mit einem gezielten Prompt weiter – etwa mit folgendem:

Was sind die Wirkungsziele des angehängten Projekts? Bitte erstelle eine Liste der Wirkung des Projekts auf die Gesellschaft, den Impact, und die Wirkung auf die Zielgruppe, den Outcome. Inwiefern verändert sich das Bewusstsein und dadurch das Handeln der Zielgruppe? Und inwiefern verbessert diese Veränderung die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen und welche Wirkung hat das auf die Gesellschaft und in Hinblick auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN?

So hilft dir die KI, verschiedene Wirkungen auf jeder Wirkungsstufe (Outcome und Impact) herauszuarbeiten und deine wichtigsten Zielgruppen klar zu benennen. Sollte dir die erste Antwort der KI nicht eindeutig oder konkret genug sein, hake bei einzelnen Punkten gezielt noch einmal nach.

2. Förderprogramme recherchieren und Informationen sammeln

Wie du bereits in den vorherigen Artikeln erfahren hast, gibt es zahlreiche Anlaufstellen und Plattformen für Ausschreibungen und Förderungen. KI kann dich dabei unterstützen, diese Plattformen und Übersichtsseiten effizient zu durchsuchen. Gehe dabei am besten jede Plattform einzeln durch und lasse sie gezielt von der KI analysieren.

Hier ein Beispiel-Prompt anhand der Seite von Media Lab Bayern:

Nun bitte ich dich, diese Seite https://www.media-lab.de/ gründlich und Seite für Seite nach der passenden Förderung zu durchsuchen. Gibt es Förderrichtlinien, dann fasse diese bitte auf das Wesentliche zusammen und in Stichpunkten.

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Wenn du noch mehr Zeit sparen möchtest, kannst du auch Programme wie den Reflecta Fördermittelkompassarrow-up-right nutzen. Dieses Tool ist gezielt darauf ausgelegt, verschiedene Plattformen nach passenden Förderprogrammen zu durchsuchen. Den Reflecta Fördermittelkompass kannst du sieben Tage lang kostenlos testen.

3. Ausschreibungen und Förderrichtlinien zusammenfassen

Wenn du auf einen möglichen Förderpartner oder eine interessante Ausschreibung gestoßen bist, ist es oft eine Herausforderung, die seitenlangen Förderrichtlinien zu durchdringen. Auch hier kann KI dich dabei unterstützen, die wichtigsten Punkte herauszufiltern. Lade das entsprechende Dokument in die KI hoch oder kopiere die relevanten Texte hinein. Dann kannst du mit folgendem Prompt arbeiten:

Du bist ein Experte darin, Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren. Bitte fasse diese Ausschreibung / die Förderrichtlinien zusammen. Wer und was wird gefördert? Welche Fristen gibt es? Gibt es einen Abschnitt „Was wir nicht fördern“? Was steht darin?: … Oder

Du bist ein Experte darin, Texte auf das Wesentliche zu reduzieren. Bitte fasse das angehängte Dokument in den Kernaussagen zusammen. Beachte dabei wer förderfähig ist und was förderfähig ist und erkläre es mir als wäre ich ein Kind von 10 Jahren.

4. Persönlichen Kontakt herstellen

Fundraising ist Beziehungsmanagement. Das bedeutet: Wenn du eine passende Ausschreibung gefunden hast, ist es wichtig, den persönlichen Kontakt herzustellen. Greife also zum Hörer und nimm telefonisch Kontakt mit potenziellen Förderpartnern auf. So kannst du nicht nur zusätzliche Informationen erhalten und offene Fragen klären, sondern auch deine Projektidee vorstellen. Das kann dir beim späteren Auswerten der Bewerbungen einen positiven Wiedererkennungswert verschaffen.

Man glaubt es kaum, aber auch hier kann KI einen Mehrwert bieten – natürlich nicht, indem sie selbst zum Hörer greift. Sondern indem sie dir hilft, einen Gesprächsleitfaden zu erstellen und deine Projektidee in 60 bis 90 Sekunden prägnant zusammenzufassen. Der Fokus sollte dabei vor allem auf dem Impact und dem Outcome deines Projekts liegen.

5. Antrag schreiben

Im letzten Schritt kann die KI dabei helfen, deinen Antrag zu schreiben und auf die Förderziele der Fördergeldgeber auszurichten. Ein möglicher Prompt zum Start könnte sein:

Bitte schreibe einen Antrags-Text zu unserer Projektidee, die auf die Ausschreibung passt. Spiegele die wichtigsten Begriffe. Projektidee: …. Ausschreibung: … (oder als Anhang / Anhänge anfügen)

Natürlich solltest du den ersten Vorschlag der KI nicht einfach übernehmen. Anschließend geht es darum, den Text gezielt zu verfeinern – indem du selbst Formulierungen und Inhalte überprüfst und anpasst. Gleichzeitig können zusätzliche Prompts helfen, konkrete Verbesserungen vorzunehmen. So sind zum Beispiel Zwischenüberschriften essenziell, um den Text übersichtlich zu gestalten und das Interesse der Lesenden zu wecken. Denk immer daran: Am anderen Ende sitzt eine echte Person, die deinen Antrag gerne lesen soll. Ein möglicher Prompt könnte daher sein:

Bitte erstelle mir zur oben erstellten Projektbeschreibung Überschriften, die den Inhalt des folgenden Absatzes wiedergeben und zum weiterlesen anregen.

Meist gehört eine sorgfältige und durchdachte Finanzplanung zu jedem Förderantrag. Dabei kannst du KI entweder nutzen, um Lücken in deinem bestehenden Finanzplan zu identifizieren, oder um mögliche Kostenpunkte zu brainstormen. Natürlich gilt auch hier: Kosten sind sehr individuell, daher solltest du die von der KI vorgeschlagenen Werte nicht ungeprüft übernehmen. Beispielhafte Prompts könnten jedoch sein:

Ist unser Finanzplan für das beschriebene Projekt plausibel? Gibt es Lücken oder Kostenpunkte, die darüber hinaus relevant werden könnten? (Projektskizze als Text oder Anhang einfügen)

oder

Erstelle einen Finanzplan für das beschrieben Projekt. Welche Kostenpunkte sind zu berücksichtigen und in welcher Höhe?

(Projektskizze als Text oder Anhang einfügen)

6. Verfeinern und Prüfen

Im letzten Schritt geht es darum, noch einmal alles gegenzuchecken und die Feinheiten zu finalisieren. Hier ein paar Tipps, welche Tools dir dabei helfen könnten:

  • Um Formulierungen zu verbessern, Rechtschreibung zu prüfen und einen Antrag auf den Punkt zu bringen, eignet sich beispielsweise die Wolf-Schneider-KIarrow-up-right von CORRECTIV. Diese ist vor allem für journalistische Texte entwickelt worden, kann aber auch beim Schreiben von Anträgen von großer Hilfe sein.

  • Das Programm Pangramarrow-up-right prüft Texte danach, ob sich erkennen lässt, ob diese KI-generiert sind. Bevor du deinen Förderantrag abschickst, kannst du so noch einmal final gegenchecken, ob es in der endgültigen Version Hinweise auf KI gibt.

  • Um aus der Masse herauszustechen und deinem Antrag mehr Anschaulichkeit zu verleihen, kann es sinnvoll sein, deinem Antrag eine Infografik anzuhängen, die dein Projekt vorstellt. Mit NotebookLMarrow-up-right oder Canvaarrow-up-right lassen sich solche Grafiken beispielsweise gut erstellen und verleihen deinem Antrag das I-Tüpfelchen.

  • Last but not least: Kennzeichne, dass du bei deinem Antrag mit KI gearbeitet hast. Du bist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, doch aus Gründen der Transparenz ist dies wünschenswert.


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