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# Wie Headliner journalistische Inhalte auf die Bühne bringt

Journalistische Inhalte werden meist über Artikel, Newsletter, Podcasts oder Social Media verbreitet. Live-Journalismus verfolgt einen anderen Ansatz: Er bringt Geschichten vor Publikum auf die Bühne und macht daraus ein gemeinsames Erlebnis. Formate wie die Reporter Slams von Headliner, die Tagesspiegel Revue, die Sonntags-Matinée von VierNull oder die RUMS Revue zeigen, dass journalistische Inhalte auch außerhalb klassischer Medienkanäle funktionieren können.&#x20;

Dieser Artikel macht anhand konkreter Learnings aus der Praxis von Headliner deutlich, wie Live-Journalismus funktionieren kann. Christine Liehr, Mitgründerin von [Headliner](https://www.headliner.eu/), hat einige Erkenntnisse geteilt, die dir als Inspiration für eigene Veranstaltungsformate dienen können.

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### Was ist Live-Journalismus?

Live-Journalismus beschreibt Formate, bei denen journalistische Geschichten vor Publikum erzählt werden. Die Definition des internationalen Live-Journalismus Netzwerks spricht von Produktionen, bei denen Reporterinnen und Reporter, Fotografinnen und Fotografen oder Dokumentarfilmende wahre Geschichten vor einem Live-Publikum präsentieren.

Wie genau das geschieht, unterscheidet sich von Format zu Format. Manche Produktionen arbeiten mit Schauspielerinnen und Schauspielern, setzen verschiedene multimediale Elemente ein oder bringen einfach ein klassisches Gesprächsformat auf die Bühne.&#x20;

Headliner verfolgen dabei einen besonderen Ansatz: Die Journalistinnen und Journalisten stehen selbst auf der Bühne und erzählen ihre eigenen Recherchegeschichten. Für Christine Liehr liegt darin ein zentraler Mehrwert. Das Publikum begegnet nicht nur den Ergebnissen journalistischer Arbeit, sondern auch den Menschen dahinter.&#x20;

Die Idee ist dabei keineswegs neu. Bereits in den 1930er-Jahren entstanden in den USA sogenannte „Living Newspapers”, die gesellschaftliche und politische Themen auf die Bühne brachten. In Europa wurde Live-Journalismus unter anderem durch das finnische Medienhaus Helsingin Sanomat und dessen Format „The Black Box” bekannt. Heute wird das Konzept von mehreren dutzend Organisationen in Europa umgesetzt. Das European Journalism Centre dokumentiert diese Initiativen auf einer [interaktiven Karte](https://ejc.net/resources/live-journalism-map).

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### Was ist das Ziel von Live-Journalismus?

Für Headliner steht im Mittelpunkt die Frage, wie Menschen wieder stärker für Journalismus begeistert werden können. Hierbei soll Live-Journalismus helfen und verschiedene Ziele verfolgen:

* Neugier auf journalistische Inhalte wecken
* Medienkompetenz stärken
* journalistische Arbeit transparenter machen
* neue Zielgruppen erreichen
* Räume für Austausch und Begegnungen schaffen

Gerade für Community-orientierte Medien ist dieser Gedanke interessant. Während Artikel, Podcasts oder Newsletter meist allein konsumiert werden, schafft eine Live-Veranstaltung einen gemeinsamen Erfahrungsraum. Menschen erleben dieselben Geschichten zur gleichen Zeit und kommen anschließend darüber ins Gespräch.

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### Praktische Beispiele: Die Formate von Headliner

Headliner konzentrieren sich ausschließlich auf Live-Journalismus, dafür hat die Organisation unterschiedliche Formate entwickelt.

#### Reporter Slam

Der [Reporter Slam](https://www.reporterslam.de/) ist ein unterhaltsames Wettbewerbsformat. Journalistinnen und Journalisten präsentieren ihre Recherchegeschichten auf der Bühne und das Publikum entscheidet am Ende, welcher Beitrag am meisten überzeugt hat. Die Gewinner werden als „Slampion” ausgezeichnet. Einmal jährlich findet in Berlin das Finale statt, bei dem der „Slampion aller Slampions” gekürt wird. Seit 2016 wurden mehr als 70 Reporter Slams in zehn Ländern durchgeführt und über 20.000 Zuschauende erreicht. Mit diesem Format erreichen Headliner vor allem Menschen zwischen 24 und 35 Jahren.

#### JIVE

Mit [JIVE](https://www.jive.de/) verfolgen Headliner einen anderen Ansatz. Das Format versteht sich als journalistisches Magazin auf der Bühne und verzichtet auf den Wettbewerbscharakter. Stattdessen werden journalistische Geschichten gemeinsam mit Musik, Performance und anderen künstlerischen Elementen inszeniert. Die Beiträge werden speziell für die Bühne entwickelt und mehrfach überarbeitet. Anders als bei einem klassischen Artikel steht nicht die möglichst vollständige Informationsvermittlung im Vordergrund, sondern die Erzählweise. Die Geschichten sollen nicht nur verstanden, sondern erlebt werden. Die journalistischen Beiträge sind auf 900 bis 1.000 Wörter begrenzt, den restlichen Raum füllen die künstlerischen Elemente. JIVE erreicht vor allem das klassische Kultur- und Theaterpublikum zwischen 45 und 55 Jahren.

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### Was macht eine Geschichte interessant für die Bühne?

Nicht jede gute Recherche funktioniert automatisch auf der Bühne. Aus den Erfahrungen von Headliner lassen sich jedoch einige Merkmale ableiten, die bei Live-Formaten besonders gut funktionieren. Dazu gehören ungewöhnliche Themen, überraschende Wendungen oder Geschichten mit einer gewissen Absurdität. Ebenso wichtig ist der Rechercheweg selbst. Oft interessiert das Publikum nicht nur, was herausgefunden wurde, sondern auch, wie die Recherche verlaufen ist. Fragen, die sich für die Bühne besonders eignen, sind zum Beispiel:

* Wie bist du auf das Thema gestoßen?
* Welche Hindernisse gab es während der Recherche?
* Welche Begegnung hat dich besonders überrascht?
* Welche Fotos, Aufnahmen oder Situationen haben es nicht in die veröffentlichte Geschichte geschafft?

Ein Beispiel hierfür ist der Gewinner-Beitrag eines Reporter Slams über eine Frau, die in einem Gewerbegebiet im sächsischen Dölzig mehrere Tiger hält. Allein die Ausgangssituation weckt bereits Neugier. Auf der Bühne steht jedoch nicht nur die Frage im Mittelpunkt, warum dort Tiger leben, sondern auch der Weg zur Geschichte. Gerade diese Mischung aus ungewöhnlichem Thema und persönlichem Rechercheweg macht diesen Beitrag zu einer Geschichte, die gut auf der Bühne funktioniert. Den Beitrag kannst du [hier](https://www.youtube.com/watch?v=Qb0yW_im1DQ) ansehen.

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### Tipps und Denkanstöße für Redaktionen

Besonders wichtig zu verstehen ist, dass Live-Journalismus kein Selbstzweck ist. Bevor du über ein eigenes Format nachdenkst, solltest du dir deshalb zunächst eine Frage stellen:

#### Warum möchtest du auf die Bühne gehen?

Mögliche Ziele sind:

* Community-Aufbau
* Reichweitensteigerung
* Markenbildung
* zusätzliche Einnahmen
* Vermittlung journalistischer Inhalte

#### Klein anfangen

Live-Journalismus ist aufwendiger, als er auf den ersten Blick wirkt. Christine Liehr empfiehlt deshalb:

* klein starten,
* Erfahrungen sammeln,
* Regelmäßigkeiten realistisch planen.

Ein Format pro Halbjahr kann sinnvoller sein als eine monatliche Veranstaltungsreihe, die am Ende wegen mangelnder Ressourcen reduziert werden muss.

#### Community ist der Schlüssel

Viele erfolgreiche Formate profitieren von einer bestehenden Community. Veranstaltungen funktionieren oft besonders gut, wenn bereits:

* ein Newsletter,
* Mitgliedschaften,
* lokale Netzwerke,
* oder aktive Leserinnen und Leser vorhanden sind.

#### Kooperationen nutzen

Kulturorte können wertvolle Partner sein. Mögliche Partner sind:

* Theater
* Kulturzentren
* Clubs
* lokale Veranstaltungsorte

Sie bringen häufig Reichweite, Infrastruktur und Veranstaltungserfahrung mit. Zudem kann die Kooperation mit Kulturorten auch für eine Minderung der Kosten sorgen, z.B. durch das Einsparen von Raummiete.

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### Finanzierung: Headliner als Beispiel

Die Finanzierung bleibt eine der größten Herausforderungen im Live-Journalismus. Headliner finanzieren sich aktuell zu rund 80 Prozent über Fördermittel. Weitere Einnahmen stammen aus Ticketverkäufen und dem Verkauf von Lizenzen. Zusätzlich arbeitet die Organisation mit Workshops und Kooperationen. Gerade bei den Reporter Slams setzt Headliner auf Skalierung. Formate werden gemeinsam mit Partnern umgesetzt und an unterschiedlichen Orten durchgeführt.&#x20;

Die Erfahrungen von Headliner zeigen aber auch, dass Live-Journalismus selten von Beginn an ein tragfähiges Geschäftsmodell ist. Veranstaltungen verursachen Aufwand für Konzeption, Dramaturgie, Proben, Technik und Organisation. Wer mit eigenen Formaten experimentieren möchte, sollte diese Ressourcen von Anfang an mitdenken.&#x20;

Gleichzeitig kann Live-Journalismus für Medienorganisationen, die bereits über journalistische Inhalte, eine Community oder bestehende Strukturen verfügen, eine interessante zusätzliche Einnahmequelle sein. Insbesondere dann, wenn für Spielstätten, Technik oder Organisation mit Partnern kooperiert wird, lassen sich die Kosten deutlich reduzieren. Ticketverkäufe können so einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung leisten.

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### Fazit

Live-Journalismus ist mehr als eine Veranstaltung mit journalistischen Inhalten. Er schafft Raum, in dem Menschen Geschichten gemeinsam erleben, mit Journalistinnen und Journalisten in Kontakt kommen und Einblicke in die Entstehung von Journalismus erhalten. Das Beispiel Headliner zeigt, dass dafür unterschiedliche Formate möglich sind – vom unterhaltsamen Wettbewerb bis zum journalistischen Bühnenmagazin.&#x20;

Gleichzeitig wird deutlich, dass Live-Journalismus eine klare Zielsetzung und ausreichend Ressourcen benötigt. Für Community-orintierte Medien liegt darin eine spannende Chance: Journalismus wird nicht nur veröffentlicht, sondern gemeinsam erlebt.

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